Wer wir wären (gebundenes Buch)

Roman
ISBN/EAN: 9783990650264
Sprache: Deutsch
Umfang: 296 S.
Format (T/L/B): 2.7 x 21.3 x 13.8 cm
Einband: gebundenes Buch
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1981 in Villach geboren, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Mitherausgeber des Literaturmagazins JENNY #2 (De Gruyter). Arbeits- und Reisestipendien des Kunstministeriums, Wiener Literatur Stipendium 2016, Forum Land Literaturpreis 2017, Jubiläumsfonds-Stipendiat der Literar-Mechana 2018, Förderpreis für Literatur des Landes Kärnten 2018, 3. Preis beim Feldkircher Lyrikpreis 2019, Wiener Literatur Stipendium 2020, Theodor-Körner-Preis 2020. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sein Debütroman »Sanfter Asphalt« erschien 2017 im Löcker Verlag. Für seinen Roman »Wer wir wären« erhielt er die Buchpra¨mie der Stadt Wien 2020.
'Kaffee?', fragte er. Ich nickte, während mein Blick den riesigen Raum durchmaß und dabei an etlichen Objekten hängen blieb. 'Bruno Gironcoli hat hier gearbeitet', sagte Klaus, da er ein Fragezeichen hinter meiner Stirn erkannt zu haben glaubte. 'Und nicht nur das. Er hat hier auch gelebt. Ach ja, nur zur Info, der Kaffee schmeckt fürchterlich. Willst du trotzdem einen?' 'Ja', sagte ich. 'Hauptsache, er wirkt.' 'Na dann, ich bin gleich wieder da.' Ich schlenderte von einem Objekt zum anderen. Manche waren größer als ich, andere wiederum flach und breit, die einen aus Stein oder Metall, andere aus Styropor oder Wolle, manche schienen mehr oder weniger bereit, ausgestellt zu werden, anderen wiederum sah man deutlich an, dass sie noch viele Stunden an Bearbeitung benötigten. Klaus kam mit zwei braunen Plastikbechern zurück und stellte sich mir gegenüber. 'Daran arbeite ich gerade', sagte er, reichte mir einen Becher und deutete mit dem Kopf auf eine Plastik. 'Es ist noch nicht so weit. Da bin ich mindestens zwei, drei weitere Wochen damit beschäftigt.' 'Es schaut gut aus', sagte ich. 'Nein', sagte er, 'tut es nicht.' Er nahm einen Schluck Kaffee. Sein Hals spannte sich dabei an. Es wirkte auf mich, als wenn er beim Schlucken starke Halsschmerzen hätte. Ich tat ihm nach, nahm einen kleinen Schluck von der hellbraunen Brühe und kam nicht umhin, das Gesicht zu verziehen. 'Es ist wie mit diesem Kaffee', sagte er. 'Zu viel Zucker ist drin. Oder zu wenig. Oder die Milch ist schlecht. Oder besser gesagt: das Milchpulver. Oder die Qualität der Bohnen gibt nichts her. Oder sie wurden nicht richtig geröstet.' 'Ich finde es gut', sagte ich. 'Du meinst den Kaffee?' 'Nein', sagte ich und musste grinsen. 'Der Kaffee schmeckt beschissen. Aber deine Arbeit, die finde ich schön.'