Bitte beachten

Hinweis:

Am Samstag, dem 11.07.2020 schließen wir

wegen einer Familienangelegenheit bereits um 12.00 Uhr!

Wir bitten um Ihr Verständnis!

 

Liebe Kundinnen, liebe Kunden!

Bis auf Weiteres gelten folgende Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10.00 - 18.30 Uhr

Donnerstag von 10.00 bis 14.00 Uhr !    

Samstag von 10.00 - 14.00 Uhr

Bitte beachten Sie, dass wir jetzt immer am Donnerstag Nachmittag geschlossen haben!

25 Jahre – schnell vergangen, viel passiert!

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Vor gut 25 Jahren nahm eine Idee Gestalt an. Warum sich über die Fehler des Chefs ärgern, wenn man doch auch seine eigenen Fehler machen kann …

Gedacht, getan: Am 1. April 1995 (kein Scherz) übernahmen wir, Frau Broschat und ich (Frau Pietsch, damals noch Ohlwein), die Räume des vormaligen Schreibwaren- und Lotto-Annahmegeschäfts von Frau Klippert. Mit großem Ehrgeiz und noch größerem Einsatz und allergrößter Unterstützung durch Familie und Freunde, schafften wir es innerhalb weniger Wochen, die Grundlage für die Buchhandlung „Die Buchfinken“ zu schaffen.

Als wir 1995 starteten, war die Büchersuche am Computer noch Neuland, unsere Kunden zahlten mit D-Mark oder in Ausnahmefällen mit von Hand ausgefüllten Schecks und Kieferholzregale waren modern. In unserem großen Schaufenster hing eine Voliere mit zwei (Zebra-) Finken, unseren Namensgebern.

Der Start war vielversprechend, den ersten Geburtstag feierten wir schon mit vielen Stammkunden. Der Schauspieler Ronny Great las Texte von Tucholsky, es gab nette Gespräche und kühle Getränke.

Wir wurden routinierter. Die Werbetrommel wurde verstärkter gerührt: Aushänge in den Hausflur-Infokästen der Hausverwaltung Seifert („Info-Galerie“), Einkaufswagenwerbung im Reichelt-Markt am Steglitzer Damm (heute Edeka), Anzeigen im Markus-Boten (heute Markus-Zeitung), Eintrag im Branchenbuch („Von A wie Aal bis Z wie Zylinderstifte“), Display-Werbung in BVG-Bussen. 

Gemeinsam mit Frau Fischer, der damaligen Leiterin der Kita St. Johannes Evangelist in der Sembritzkistraße, entwickelten wir eine über viele Jahre fortgeführte Tradition: Einige Wochen vor Weihnachten wurde eine Auswahl an Büchern in die Kita geliefert und die Eltern konnten in Ruhe schmökern und sich in Bestelllisten eintragen. Die Bücher wurden dann in die Kita geliefert. Viele von diesen ehemaligen Kita-Eltern / -Kindern und Erziehern sind noch heute unsere Kunden!

Und auch die Zusammenarbeit mit der Markus-Kirchengemeinde wurde immer intensiver und freundschaftlicher. Ab 1997 hatten wir regelmäßig einen Büchertisch beim „Frauen-Verwöhntag“, einer Aktion, die Pfarrerin Rogatzki ins Leben gerufen hatte. Büchertische betreuen wir bis heute, zumeist in Zusammenarbeit mit Herrn Tarun, Pfarrer Bürger, Pfarrerin Goepfert und Pfarrer Grebenstein. Um einige Highlights herauszugreifen: Veranstaltungen mit Jutta Rosenkranz, Hatice Akyün, den Klezmeyers, Dorota Danielewicz, Pascale Hugues, Ernst Paul Doerfler.

Engere Zusammenarbeit gab und gibt es z.B. mit den Geschäften am Steglitzer Damm („Budenzauber“), Stadtbüchereien und der Schwartzschen Villa an der Schloßstraße.

Gerade die Begleitung von Veranstaltungen in der Schwartzschen Villa und einigen weiteren Einrichtungen, waren für uns auch persönlich sehr inspirierend: Lesungen z.B. mit Hans-Ulrich Treichel, Pieke Biermann, Kurt Kemal, Peter Schneider, Freya Klier, Holli-Jane Rahlens, Heinz Knobloch und Charlotte Wiedemann.

Und obwohl wir „gut angekommen“ waren, die betriebswirtschaftlichen Zahlen (!) sprachen eine so ganz eigene Sprache …

Der Mietvertrag lief bis 2000 und so kamen wir Ende 1999 zu dem Entschluss, dass eine Verlängerung nicht tragbar sein würde. Da hatten wir allerdings die Rechnung ohne unsere Kunden gemacht! Die „St. Johannes-Fraktion“ und viele andere mehr überzeugten uns u.a. mit verstärkten Buchkäufen davon, dass wir Bitteschön weiterzumachen hätten. Was sollen wir heute sagen: So falsch war die Entscheidung wohl nicht, nochmals durchzustarten!

Was wäre uns alles entgangen: Die großen Feiern zum fünften und zehnten Geburtstag, die Umstellung auf den Euro – mit den sogenannten Starterkits, „versteckt“ zuhause im Schlafzimmerschrank –, die Harry-Potter-Partys, der Start unserer eigenen Lese-Veranstaltungsreihe „Litwas“ (für Erwachsene) und ihrer kleinen Schwester „kidwas“ (für Kinder).

Im Mai 2004, einen Tag vor unserem neunten Geburtstag, fand die erste Litwas-Veranstaltung statt. In gemütlicher Runde saßen wir mit einigen Kunden zusammen und versuchten uns an einem Literaturrätsel. Fortgesetzt wurde die Reihe zunächst regelmäßig am ersten Mittwoch des Monats, später in größeren Abständen, mit Lesungen und Vorträgen von oft nicht so bekannten, dafür aber umso engagierteren Autoren und Vortragenden. Die Zusammenarbeit mit dem Steglitzer Frieling Verlag („Verlag sucht Autoren“) verhalf uns zu einigen dieser Veranstaltungen. Hier die hoffentlich vollständige Aufzählung der Beteiligten, der eine oder andere Name dürfte Ihnen vertraut sein, da es sich zu einem großen Teil um Steglitzer handelt:

Kay Fischer, Gisela Heller, Frau Kümpel, Michael Lorenz, Wolfgang Holtz, Christian Simon, Gertrud Wagemann, Ingrid Klost, Hedi Hummel, Birgit Blumenstock und Dietmar Ranz, Pfarrer Niederstucke, Frau Becker-Ambrock,  Hans Lebek, Herr Müller- Arnke, Pfarrer Walsdorff, Frau Lehmann, Burtchen Bataineh, Maren Wulf, Gabian Peter, Angela Planert, Daniela Böhle, Frau Behrend-Hain, William Warnstedt, Tanja Wekwerth, Eberhard Weißbarth, Kerstin Hohlfeld, Martin Krist, Micaela Jary.

Im Rahmen der Samstagnachmittag-Veranstaltungen für Kinder, aber auch zu anderen Gelegenheiten, haben wir uns u.a. über die Beteiligung von Thomas Fuchs, Martin Klein, Michael Bauer, Andrea Hoyer, Ehepaar Heese, Katharina Kerlen-Petri und Matthias Raudat gefreut. Und nicht zu vergessen die „legendäre“ Olchi-Lesung mit meinem Sohn Daniel und dessen Freund Niko, unserem heutigen persönlichen Computer-Fachmann.

Zwei Veranstaltungen die aus dem „üblichen Rahmen“ fielen, waren 1997 eine Lesung mit dem Autor Arno Surminski im Gemeindehaus der Markus-Kirche. Wir hatten diesen Termin mit Herrn Surminski bei einer Verlosung des Ullstein-Verlags gewonnen. Die andere besondere Veranstaltung war 2006 eine Buchpräsentation mit der Schauspielerin Brigitte Grothum in unserem Geschäft. Der Verlag Bostelmann & Siebenhaar war an uns herangetreten, da Frau Grothum aus ihrem Buch „Mein Jedermann“ gerne in kleinen Kiezbuchhandlungen lesen und erzählen wollte.

Was wäre uns noch entgangen, wenn wir bereits im Jahr 2000 die Segel gestrichen hätten?

Mindestens 15 von unseren insgesamt über 20 Schülerpraktikanten hätten wir nicht im Geschäft gehabt. Jugendliche, die während der neunten oder zehnten Klasse für zwei bis drei Wochen das Arbeitsleben in einer Buchhandlung kennenlernen durften. Einige von ihnen sind nach wie vor unsere Kunden.

Wir hätten nichts über die Freuden und Leiden des Schulbuchgeschäfts erfahren. Auch die Einblicke, die Frau Broschat als Laienmitglied in der Schulkonferenz der Grundschule am Stadtpark gewann, würden fehlen – und ungelogen: Vielleicht würden die ehemalige Markus- und Hünefeld-Grundschule nach ihrem Zusammenschluss, ohne Frau Broschats Votum, jetzt ganz anders heißen.

Das große Fest im Juni 2014 zum 100. Jahrestag des Bestehens des Stadtparks Steglitz hätten wir nur als Zuschauer wahrgenommen.

Und wir hätten ganz viele Erlebnisse mit unseren Kunden nie gehabt:

Die Familie, die aus dem total verregneten Urlaubsdomizil in Schweden anrief, um die eiligste Zusendung eines Bücherpakets zu erflehen. Die eine Krimileserin, die am Telefon dazu aufforderte, einen grooßen Zettel für die Bestellung bereit zu legen, die andere, die mit dem Hackenporsche kommt, um die Stapel nach Hause transportieren zu können. Die nächste, die immer die langweiligsten Ausgaben suchte, um besser einschlafen zu können.

Unsere Kunden, deren Familiengeschichte wir miterleben: erst solo, später liiert, dann Elternschaft und jetzt Großeltern, und leider auch Krankheiten und Todesfälle – immer begleitet von passenden Büchern und Gesprächen.

Bei vielen Kunden kennen wir natürlich den Lesegeschmack, darüber hinaus aber auch die „Sonderwünsche“. Einpacken mit oder ohne Falter, mit oder ohne Kennzeichnung, Quittung oder Rechnung, Bestellung unter strengster Geheimhaltung (Weihnachten …), Geschenkverpackung + Grußkärtchen + pünktlicher Versand an Tante, Schwester, Nichte und, und, und.

Natürlich gab es auch Dinge und Ereignisse auf die wir gerne verzichtet hätten:

1997 gab es einen Einbruch mit Diebstahl. Der Schaden hielt sich zum Glück in Grenzen, nur das Wechselgeld und ein Buch über Drogenmissbrauch (!) fehlten. Und dann doch auch ganz nett: Der Herr von der Versicherung war ein ehemaliger Klassenkamerad.

2001 wurde bei einem Feuerwehreinsatz im vierten Stock des Hauses eine unserer Markisen beschädigt: Ein Feuerwehrmann, der sich auf der Drehleiter befand, verlor das Funkgerät ...

Die mehrmaligen Überschwemmungen nach Starkregen, im Hausflur und in unserem Lagerraum, waren vollkommen überflüssig. Die Entführung eines befüllten Postkartenständers (!) war zwar skurril, aber auch sehr ärgerlich. Und die Aufregung über eine Maus, die am helllichten Tag in die Buchhandlung rannte, kein Buch verlangte, aber offensichtlich auch das Geschäft nicht wieder verließ, war zwar erstaunlich, aber wegen des Einfangens auch zeitraubend.

Die Vattenfall-Dauerbaustelle war laut, staubig und Umsatz schädigend, desgleichen das Einrüsten des Hauses oder auch der Wasserschaden durch die Undichtigkeit der über 100 Jahre alten Heizungsrohre.

Aber natürlich, diese Maßnahmen waren erforderlich und im Rückblick – verglichen mit der Corona-Pandemie – nur Peanuts!

25 Jahre, eine doch recht lange Zeit, nicht nur geschäftlich, auch privat ist da viel geschehen. Als wir starteten waren wir junge Frauen, meine Söhne fast erwachsen, Frau Broschats jüngerer Sohn wurde gerade erst eingeschult. Es gab dann viele Veränderungen, schöne, spannende, traurige – und jetzt sind wir beide Großmütter. Unsere Familien haben uns immer sehr unterstützt. Frau Bergmann, die Schwester von Frau Broschat, die viele Jahre tageweise hier gearbeitet hat, die Ehemänner und Söhne, die oft mehr im Hintergrund aktiv waren.

Seit Herbst 2017 haben wir die bereichernde Unterstützung durch unseren Mitarbeiter, Herrn Benedikt Viertelhaus. Ein echter Gewinn für uns und für Sie!

Und jetzt, im Frühjahr 2020? Eigentlich hatten wir vor, am 6. Mai einen fröhlichen 25. Geburtstag mit Ihnen zu feiern. Einige von Ihnen haben schon Texte und Zeichnungen für die geplante Festschrift beigesteuert. (siehe Schaufenster!)

Stattdessen befinden wir uns alle seit Wochen in einer Situation, die weit entfernt von Frohsinn ist.

Und dennoch:

Gerade diese letzten Wochen haben uns gezeigt, wie sehr wir von Ihnen, unseren treuen Kunden und Kundinnen, geschätzt werden! Diese große Anteilnahme, Unterstützung und Fürsorge hat uns geradezu überwältigt!

Wir danken Ihnen für all das und hoffen sehr, dass wir uns in absehbarer Zeit mit einer nachträglichen Feier bedanken können.

 

Ihre Buchfinken

Marion Broschat, Benedikt Viertelhaus und Désirée Pietsch